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Elektronikproduktion | 26 September 2011

Risikofaktor #1: Preise sind unten, Kosten sind oben

In jedem Wirtschaftsunternehmen muss der Unterschied zwischen Verkaufspreis und den Gesamtkosten für das was verkauft wird positiv sein. Nur so kann ein Unternehmen profitabel wirtschaften.
Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass man seine Produkte und Dienstleistungen zu einem Preis verkaufen muss der höher als die Kosten zur Herstellung liegt. Das ist das Grundprinzip der Wirtschaft. Und mit diesem wird ein jeder Leser dieses Artikels vertraut sein.

Nur was bedeutet es, wenn die Zahl negativ ist?

Das kommt darauf an!

Sind Sie der 'Verkäufer' und sie verlieren weiterhin Geld, dann wird Ihr Unternehmen Pleite gehen. Wenn Sie der 'Käufer' sind, dann müssen Sie bald einen neuen Lieferanten finden. In beiden Fällen wird es zu einem Ereignis kommen, das Auswirkungen auf beide Geschäftspartner hat.

Warum sollte dann überhaupt ein Partner solch einen Umstand tolerieren?

Gute Frage, aber ziemlich schwer zu beantworten. Die Grundlagen der Ökonomie – zwar immer einfach – sind nicht immer im perfekten Einklang mit den Realitäten der menschlichen Natur. Und da wir auf Menschen angewiesen sind um Geschäftsentscheidungen zu treffen, kommt es zwangsläufig zu Spannungen zwischen diesen beiden Kräften.

Betrachten Sie die Bewegungen einer Wippe – ein Balance-Spiel bei dem eine Person seine Vorteile aufgeben muss um weiter im Spiel bleiben zu können. Historisch gesehen hat Rationalität das Eigeninteresse übertrumpft (da alle weiter spielen wollen). In der Arena des globalen Outsourcing scheint allerdings vor einiger Zeit etwas schief gelaufen zu sein.

Während des Outsourcing Navigator Councils Webinar im letzten Quartal berichteten wir unseren Mitgliedern, das der Composite Business Risk (CBR) Index – ein Maß für das Risiko innerhalb der globalen EMS Industrie – in den letzten 4 Jahren um mehr als 45% gestiegen ist und das ...

"es nun vermutet wird, dass der CBR (seit seinen Anfängen im Geschäftsjahr 2007) ein ständig ansteigendes Risiko innerhalb der globalen EMS-Industrie anzeigt. CBA glaubt, dass dieser Trend von einer jahrzehntelangen Ansatzverschiebung in Bezug auf das Supply-Chain-Management von (hauptsächlich) in Nordamerika und Europa ansässigen OEMs abgeleitet werden kann. Während wirtschaftlich sinnvoll, hat es sich als 'inkongruent' mit den globalen, wirtschaftlichen und geo-politischen Realitäten erwiesen."

Mit anderen Worten: das Risiko ist derzeit so hoch, dass nicht nur einige Outsourcing-Projekte in Gefahr sind, sondern vielleicht die gesamte Outsourcing-Industrie. Niedrigere Preise – und das um jeden Preis – sind zur neuen Normalität geworden. Endlose, squentielle Kostensenkungen für EMS_Dienstleistungen sind in praktisch jeder OEM-Strategie vorhanden; um die Marge des nächsten Quartals (wenn nicht sogar Gewinne) zu erhalten.

Entlang der gesamten Lieferkette wurde jeder Knotenpunkt bis auf das Äusserste gespannt. Lieferanten von Rohstoffen über Komponenten bis hin zu den wichtigsten Baugruppen drücken sowohl die EMS- als auch die ODM-Industrie. Das Ergebnis? Ganze Endmarktsegmente werden aufgegeben oder vom OEM verkauft da man die Zulieferer nicht länger für einen Gewinn 'ausquetschen kann'.

Die 'Outsourcing-Dividende' ist schon lange aufgebraucht. Und die nächste – noch kostengünstigere Region (weit hinter dem nächsten Horizont) – ist mehr ein Wunschtraum als eine wirkliche Alternative. Es fehlen Infrastruktur, Ressourcen, ausgebildetes Personal und politische Stabilität fehlen um die derzeitigen Lösungen ersetzen zu können.

Kann die Situation wirklich so schlecht sein?

Ja, eigentlich ist sie es schon. Die zugrunde liegenden Kosten in den meisten der derzeiten 'Niedrigkostenregionen' gehen nach oben und in einigen von ihnen (darunter China) um mehr als 1½% pro Monat. Die Gründe sind vielfältig: Inflation, Währungsaustausch, Einführung einer neuen Umwelt-, Regulierungs- und Arbeitsmarktpolitik. Es ist auch kein exklusives Fertigungsproblem, da die eskalierenden Kosten auch Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette hat. Diese hat sich ebenfalls auf eben diese Regionen konzentriert.

Also, was soll ein OEM nun tun?

Das hängt davon ab, welchen Markt der OEM bedient, welches Geschäftsmodell er verfolgt und wie groß das Unternehmen ist.

Szenario I

Wenn das OEM-Unternehmen in einer stark reglementierten Branche – wie etwa Militär, Medizin (kein Consumer). Luft- & Raumfahrt, etc. (welche einigermaßen stabile und nachhaltige Margen bieten) – tätig ist, dann muss ein kritischer Blick auf die aktuelle Outsourcing-Lösung geworfen werden:

- Bietet die Lösung das Niveau an Unterstützung und Service das nötig ist?
- Sind sie (mindestens) einigermassen mit der Werthaftigkeit zufrieden?

Wenn beide Fragen mit JA beantwortet werden können, dann: halten Sie Kurs und planen die Realität ein. Preise gehen nur dann nach unten, wenn auch die Kosten runter gehen.

Wenn die Antwort auf eine (oder beide) der Fragen NEIN ist, dann gehen Sie 'Einkaufen' und denken Sie dieses Mal 'Regional' (je näher, desto besser!) Entgegen dem, was viele so genannte Experten erzählen, zeigen CBA-Daten deutlich, dass regional nicht nur weniger riskant, sondern in der Mehrzahl der Fälle auch ziemlich wettbewerbsfähig ist.

Szenario II

Wenn das OEM-Unternehmen in den Bereichen Industrial, Automotive oder Instrumentation tätig ist und ein Nischensegment (Innovation versus Preis), dann muss auch hier ein kritischer Blick auf die aktuelle Outsourcing-Lösung geworfen werden:

- Bietet die Lösung ein gutes, technologisches 'Match' in Bezug auf die heutige und zukünftige Roadmap?
- Wurde eine Analyse durchgeführt, um festzustellen, welche Partei (also OEM oder EMS) welche Aufgaben ausführen soll, um den Nutzen zu maximieren und die Gesamtkosten zu minimieren?

Wenn beide Fragen mit JA beantwortet werden können, dann: halten Sie Kurs und planen die realistische Ressourcen und den zukünftigen Ausbau der Beziehungen ein.

Wenn die Antwort auf eine (oder beide) der Fragen NEIN ist, dann reparieren Sie die Fehler oder gehen Sie 'Einkaufen'. Wenn sie zwischen USD 25 – 100 Millionen an Produktion pro Jahr auslagern, dann denken Sie 'Regional' (z.b. Region für Region um Zeitzonen-Unterschiede zu vermeiden, ein Risikofaktor!).

Szenario III

Wenn das OEM-Unternehmen in den Bereichen Computer, Communication oder Consumer tätig ist (oder einem der anderen – zuvor genannten – Marktsegmente) tätig ist und mehr als USD 100 Millionen pro Jahr an Produktion auslagert, dann fragen Sie sich folgendes:

- Werden unsere Produkte nur wegen des Preises verkauft?

Wenn die Antwort JA ist, starten Sie entweder zu innovieren oder stoppen Sie das Outsourcing. Wenn die Anwort NEIN ist, dann lesen Sie die Szenarien I & II noch einmal. Die Wahrheit ist (per Definition), dass Ihr Unternehmen ein Anbieter von Allerweltsartikeln ist. Ein solcher Anbieter hat nur dann einen Vorteil, wenn er seine Produkte billiger und von höherer Qualität als seine Wettbewerber PRODUZIERT.

Sorry, wenn das keine 'Kern-Kompetenz' Ihres Unternehmens ist. Vielleicht sollte das Führungsteam seine MBAs in Operations-Management statt Marketing erhalten haben. Outsourcing ist keine Strategie, es ist ein Werkzeug. Und – genau wie Dynamit – kann es ein mächtiges Werkzeug sein (wenn man es in der richtigen Dosierung bei einer geeigneten Aufgabe anwendet). Missbrauche es und es wird dich umbringen!

Am Anfang dieses Artikels erklärten wir, dass wir – auf Grundlage unserer Arbeit – glauben, dass dieser Trend von steigenden Risiken und der mögliche Zusammenbruch einer Bereiche der Outsourcing-Branche von...

„einer jahrzehntelangen Ansatzverschiebung in Bezug auf das Supply-Chain-Management von (hauptsächlich) in Nordamerika und Europa ansässigen OEMs abgeleitet werden kann. Während wirtschaftlich sinnvoll, hat es sich als 'inkongruent' mit den globalen, wirtschaftlichen und geo-politischen Realitäten erwiesen"

Das Endergebnis ist kristallklar. Die Musik wird aufhören zu spielen und wenn Sie für einen der oben erwähnten OEMs arbeiten, dann ist unsere Empfehlung folgende: Suchen Sie sich einen Stuhl! Man kann nur hoffen, dass es kein Liegestuhl auf der Titanic ist.
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Quelle: http://charliebarnhart.com

Kommentare

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