Komponenten | 30 April 2009

Infineon: Umsatzrückgang um 10% in 2Q

Infineon erzielte im zweiten Geschäftsquartal einen Umsatz von €747 Millionen. Dies entspricht einem Rückgang von 10% im Vergleich zum Vorquartal und von 29% im Vergleich zum zweiten Geschäftsquartal 2008.
Das Segmentergebnis in Summe betrug minus €110 Millionen gegenüber minus €102 Millionen im ersten Geschäftsquartal. Hier sind einmalig €33 Millionen für die Reduzierung von Rückstellungen für Boni und Prämien enthalten.

„Die Maßnahmen zur Kostensenkung zeigten deutliche Effekte und der Umsatz entsprach trotz des schwierigen operativen Umfelds unseren Prognosen. Während der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs haben wir nicht nur die Investitionen in Anlagevermögen und das Nettoumlaufvermögen massiv reduziert, um den negativen Free-Cash-Flow zu begrenzen, sondern auch erfolgreich das effektivste Kostensenkungsprogramm implementiert, das es je bei Infineon gab“, sagt Peter Bauer, Sprecher des Vorstands der Infineon.

Rückläufig war der Umsatz gegenüber dem Vorquartal in den vier Segmenten Industrial & Multimarket (IMM), Chip Card & Security (CCS), Wireline Communications (WLC) und weniger stark im Segment Automotive (ATV). Einzig im Segment Wireless Solutions (WLS) stieg der Umsatz trotz schrumpfenden Markts durch gestiegene Marktanteile. Ohne Berücksichtigung von Wechselkursschwankungen, Akquisitionen und Ausgliederungen verzeichnete Infineon einen Umsatzrückgang von 11% gegenüber dem Vorquartal und von 32% gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten lag im zweiten Geschäftsquartal bei minus €150 Millionen. Im ersten Geschäftsquartal hatte das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten minus €116 Millionen betragen.

Das Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten, abzüglich Steuern, lag im zweiten Geschäftsquartal bei minus €108 Millionen. Am 23. Januar 2009 haben die Qimonda AG und ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft Qimonda Dresden GmbH & Co. oHG beim Amtsgericht in München Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Daraufhin wurde Qimonda von Infineon im zweiten Geschäftsquartal dekonsolidiert. In diesem Zusammenhang realisierte Infineon einen aufgelaufenen Verlust von €100 Millionen besonders auf Grund unrealisierter Währungseffekte, die zuvor im Eigenkapital erfasst waren. Diese Verluste hatten keine Auswirkung auf das Infineon-Eigenkapital.

Im zweiten Geschäftsquartal verzeichnete der Infineon-Konzern einen Konzernfehlbetrag in Höhe von €258 Millionen.

Im zweiten Quartal hat Infineon im Vergleich zum Vorquartal weiter massiv Lagerbestände abgebaut, indem die Produktion auf ein Niveau noch unter dem des Vorquartals gesenkt wurde. Die Vorräte sanken um 18% und das Nettoumlaufvermögen verringerte sich um €72 Millionen im Vergleich zum Vorquartal. Im Rückgang des Nettoumlaufvermögens ist auch ein Mittelzufluss in Höhe von €95 Millionen aus der Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken e.V. nach der Insolvenz von Lehman Brothers berücksichtigt. So konnte der negative Free-Cash-Flow trotz Auszahlungen in Höhe von €56 Millionen für das Kostensenkungsprogramm IFX10+ auf minus €22 Millionen begrenzt werden in einem Quartal, das vielleicht den Tiefpunkt bei Umsatz und Produktionsniveau markiert haben mag.

Darüber hinaus hat das Unternehmen im Verlauf des Quartals Anteile der Umtauschanleihe im Nominalbetrag von €35 Millionen gegen etwa €20 Millionen in bar zurückgekauft.

Einsparungen von etwa 60 Millionen Euro bei den Betriebskosten durch IFX10+
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2009 verzeichnete Infineon weitere Fortschritte mit seinem Kostensenkungsprogramm IFX10+. Hilfreich für die schnelle Durchführung der IFX10+-Maßnahmen war die zu Beginn des Geschäftsjahrs 2009 neu eingeführte Organisationsstruktur. Bei den Betriebskosten sparte Infineon im Vergleich zum vierten Geschäftsquartal 2008 nachhaltig etwa €60 Millionen pro Quartal. Auf das Jahr gerechnet erwartet Infineon somit allein bei den Betriebskosten Einsparungen von rund €240 Millionen. Im zweiten Quartal hat das Unternehmen sehr gute Fortschritte bei der Senkung der Mitarbeiterzahl gemacht. Insgesamt waren im März weniger als 26.400 Mitarbeiter bei Infineon beschäftigt. Ende September 2008 waren es noch 29.100 Mitarbeiter.

Um die Kosten in Zukunft weiter zu senken, wird bei Infineon Kurzarbeit und unbezahlter Urlaub für alle deutschen Standorte umgesetzt. Infineon erwartet keine Aufwendungen oder Mittelabflüsse im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen.

Ausblick auf das dritte Quartal
Vor dem Hintergrund der schwer einschätzbaren Marktentwicklung erwartet Infineon für das dritte Geschäftsquartal eine Umsatzsteigerung von etwa 10% gegenüber dem zweiten Geschäftsquartal. Der Umsatzanstieg erfolgt in allen Segmenten, aber besonders stark im Segment WLS.

Im abgelaufenen Quartal hat Infineon seine Vorräte drastisch reduziert. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass sich eine Stabilisierung in der Nachfrage abzeichnet, kann das Unternehmen die Produktion langsam einem Niveau anpassen, das eher den gegenwärtigen Auslieferungen an Kunden und dem Kundenausblick entspricht. Auf Grund der Vorteile aus dem Umsatzanstieg und weiterer Kosteneinsparungen erwartet Infineon, dass sich das Segmentergebnis in Summe im dritten Quartal signifikant verbessern wird. Für die Marge des Segmentergebnisses in Summe erwartet Infineon einen negativen mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.

Update: Ausblick auf das Geschäftsjahr 2009
Infineon verfügt nach wie vor über keine gesicherten Daten für das vierte Geschäftsquartal. Angesichts der Ergebnisse für die ersten sechs Monate und des Ausblicks für das dritte Geschäftsquartal erwartet das Unternehmen jedoch für das gesamte Geschäftsjahr 2009 einen Umsatzrückgang von mehr als 20% gegenüber dem Geschäftsjahr 2008. Infineon geht weiter davon aus, dass das Segmentergebnis in Summe signifikant zurückgeht und im negativen Bereich bleibt.

Infineon hat sein Budget für Investitionen einschließlich für aktivierte immaterielle Vermögensgegenstände im Geschäftsjahr 2009 auf €170 bis €190 Millionen reduziert. Zu Beginn des Geschäftsjahrs lagen die Erwartungen noch bei €250 Millionen, im letzten Geschäftsjahr belief sich der Betrag auf €370 Millionen. Infineon erwartet Abschreibungen in Höhe von etwa €500 Millionen statt der zu Beginn des Geschäftsjahrs 2009 geplanten €450 Millionen.

„In der schwierigen Marktsituation wird es weiterhin darauf ankommen, unsere Aufwendungen streng zu kontrollieren. Infineon ist strategisch gut positioniert. Mit unseren Kernthemen Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit adressieren wir die Wachstumsmärkte, die künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen werden. Die neuesten Kooperationen mit Bosch und Toyota bei Kfz-Leistungshalbleitern und mit Nokia bei Single-Chip-Plattformen für GSM/GPRS und EDGE belegen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte und das Vertrauen der Kunden in unser Unternehmen“, sagt Peter Bauer.

WLS umsatzstärkstes Segment bei Infineon im zweiten Geschäftsquartal
Im zweiten Quartal ging der Umsatz im Segment ATV im Vergleich zum Vorquartal infolge der weiterhin nachlassenden Nachfrage im Automobilmarkt zurück. Das Segmentergebnis von ATV reduzierte sich auf Grund der Ergebniswirkung des geringeren Umsatzes und der negativen Auswirkungen durch die sinkende Produktion infolge der Reduzierung der Lagerbestände. Einsparungen im Rahmen von IFX10+ haben eine weitere Verschlechterung des Ergebnisses verhindert.

Der Umsatz im Segment IMM ging im Vergleich zum Vorquartal zurück. Gründe dafür waren weitere Anpassungen der Lagerbestände in der Zulieferkette und die geringe Nachfrage in einem saisonbedingt schwachen Quartal. Das Segmentergebnis von IMM war im zweiten Quartal negativ, was hauptsächlich auf den Umsatzrückgang und eine sinkende Produktionsauslastung zur Reduzierung der Lagerbestände zurückzuführen ist. Diese negativen Effekte konnten teilweise durch Einsparungen aus dem IFX10+-Programm und positive Einflüsse durch die Wechselkurssicherung ausgeglichen werden.

Der Umsatz des Segments CCS ist im Vergleich zum Vorquartal zurückgegangen. Die höheren Umsätze im Bereich Payment-Lösungen konnten die insgesamt schwache Nachfrage in den restlichen Bereichen des Segments auf Grund eines rückläufigen Marktumfeldes nur teilweise ausgleichen. Das Segmentergebnis von CCS ging analog dem Umsatzrückgang und infolge einer weiterhin reduzierten Produktionsauslastung zurück. Einsparungen durch das IFX10+-Programm konnten diese Effekte nur teilweise ausgleichen.

Das Segment WLS verzeichnete im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorquartal. Dies ist in erster Linie auf die gestiegene Nachfrage bei einigen großen Kunden sowohl für HSDPA- als auch für Ultra Low Cost(ULC)-Mobilfunkplattformen zurückzuführen. Das Segmentergebnis von WLS hat sich signifikant verbessert. Dazu haben neben dem Umsatzanstieg auch die positiven Auswirkungen der IFX10+-Maßnahmen und Effekte der Wechselkurssicherung beigetragen.

Der Umsatz des Segments WLC sank im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal, vor allem wegen des anhaltend schwachen Marktumfeldes sowie Anpassungen der Lagerbestände in der Lieferkette. Der Rückgang wurde teilweise durch die positiven Effekte auf Grund der Installationen von 3G-Infrastruktur und Next Generation Networks in China kompensiert. Das Segmentergebnis von WLC blieb weiterhin positiv, da die Kostensenkungsmaßnahmen im Rahmen von IFX10+ und die positiven Effekte aus der Wechselkurssicherung die Auswirkungen des Umsatzrückgangs nahezu vollständig ausgleichen konnten.

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